Der eingebildete Kranke – Dominik Günther lässt mit Molière auf die Greifswalder Theaterbühne pupsen, dass es nur so qualmt
Großes Pfui auf diese sexistische Gesellschaft!
von Annemarie Bierstedt
Greifswald, 19. November 2016. Markus Voigt ächzt und stöhnt, jammert und klagt. Als Argan, der leidende Kranke von Molière, kriecht er auf der Bühne umher, fingert zittrig wie der Tod mit seinen schwarz behandschuhten Händen durch die Tablettenlöcher. Nach einem "Arzt, Arzt, Arzt!" schreit er. Oh, wie er sich grämt! In seinem schwarzen, mit einem Skelett bedruckten, hautengen Ganzkörperanzug wirkt er ja so schon grotesk. Aber Voigt spielt seine Rolle genial. Zum Glück kann er mit einem der vielen neonfarbenen Klistiere, die er sich in den Enddarm einführt, wenigstens abführen. Und das macht er auf der Bühne, das es nur so qualmt. "Oh!", jammert Voigt und fasst sich an das Hinterteil. Molière hätte seine wahre Freud gehabt mit dieser selbstmitleidigen Kreatur.