Die Ratten - Robert Schuster befragt in Freiburg mit Gerhart Hauptmann die Mittel des Theaters
Das Drama mit der Authentizität
von Jürgen Reuß
Freiburg, 6. Oktober 2011. Dunkle Bühne. Eine E-Gitarre dröhnt. Ein Prolet schiebt sich auf die Bühne. Na sicher, denkt man, die Unterschicht rockt, ist ja Gerhart Hauptmanns Tragikomödie "Die Ratten", Unterschichtentheater also. Putzfrau Jette John schwatzt polnischem Dienstmädchen das Kind ab, damit Maurermann Paul sich nicht dauernd auf Montage verabschiedet, sondern nach dem Tod ihres eigenen Kindes wieder häuslich wird. Am Ende hat Jettes Bruder die Polin ermordet, alles ist aufgeflogen und liegt in Scherben. So weit, so naturalistisch. Wäre da nicht noch die Figur des Theaterdirektors Hassenreuter. Mit der hebt Regisseur Robert Schuster für seine Inszenierung im Kleinen Haus des Theater Freiburg erst das Stück aus den Angeln, und am Ende ist die ganze Theaterspielerei überhaupt dekonstruiert. Ein mutiger Auftakt für die Saisoneröffnung.